Mutterpass Seite 5: Allgemeine Anamnese

Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung führt dein:e Ärzt:in oder deine Hebamme bei dir eine allgemeine Anamnese durch und notiert allgemeine Befunde. Das heißt, du wirst untersucht und dir werden einige Fragen zu deiner Gesundheit, deiner Krankengeschichte und deinen Lebensumständen gestellt. Diese Angaben werden auf Seite 5 des Mutterpasses eingetragen. Auch Ergebnisse früherer Untersuchungen gehören dazu.

Wichtige Angaben zu dir

Die Seite beginnt mit allgemeinen Angaben über dich. Dazu gehören dein Gewicht vor der Schwangerschaft, Alter und Größe. Neben dem Fachbegriff GravidaGravida Gravida ist der medizinische Fachbegriff für Schwangerschaften. Im Mutterpass wird dementsprechend die Anzahl der Schwangerschaften im Feld Gravida eingetragen. Hierzu zählen auch Schwangerschaften, die mit Fehlgeburten geendet haben und andere Schwangerschaften, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ausgetragen wurden. wird die Anzahl aller bisherigen Schwangerschaften notiert. Mitgezählt werden auch Schwangerschaften, die vorzeitig endeten, zum Beispiel, wenn es zu einer Fehlgeburt kam. Neben dem Wort ParaPara Para steht für Parität. Als Parität wird in der Medizin die Anzahl der Geburten bezeichnet. Dementsprechend steht beispielsweise Para 1 oder Primipara für eine vorherige Geburt bei einer Frau. wird die Anzahl der Geburten eingetragen, bei denen ein lebendes Kind zur Welt gekommen ist.

Viele Fragen zu deiner Gesundheit

Den Großteil der Seite nimmt ein umfangreicher Fragenkatalog zur Gesundheit der Schwangeren ein. Die dort aufgeführten 26 Punkte müssen bei der Anamnese abgearbeitet werden. Dein:e Ärzt:in oder die Hebamme ermittelt, ob es bestimmte Erkrankungen in deiner Familie gibt, etwa Diabetes mellitusDiabetes mellitus Diabetes mellitus ist der medizinische Fachbegriff für eine Zuckerkrankheit. Das ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist, wodurch die Funktion der Organe beeinträchtigt werden kann. Eine Zuckerkrankheit zeigt sich unter anderem durch starken Durst, häufiges Wasserlassen, Schwäche und Müdigkeit. Die Krankheit kann durch eine Insulintherapie, körperliche Aktivität und Nahrungsumstellung gut behandelt werden., Bluthochdruck oder genetische KrankheitenGenetische Krankheiten Genetische Krankheiten sind Erbkrankheiten, die in der Familie vererbbar sind. Dies bedeutet nicht, dass diese Krankheiten zwingend in jeder Generation auftreten. Sie treten nur bei bestimmten Kombinationen von elterlichen Erbkrankheiten auf.. Notiert wird auch, ob du selbst mit Krankheiten an Herz, Lunge oder Leber zu tun hattest. Weil körperliche Besonderheiten der Mutter für die Entwicklung der Schwangerschaft Bedeutung haben können, wird auch eingetragen, ob dein Gewicht besonders hoch oder besonders niedrig ist. Unter der Angabe „Kleinwuchs“ wird notiert, ob du überdurchschnittlich klein bist. Das bedeutet, dass etwa 97 von 100 Menschen in deinem Alter größer sind als du. Zu deinem Schutz und zum Schutz deines Kindes will dein:e Ärzt:in oder die Hebamme auch wissen, ob es Komplikationen in Verbindung mit anderen Schwangerschaften gab. So wirst du zum Beispiel gefragt, ob du schon einmal eine Fehlgeburt, einen Schwangerschaftsabbruch oder eine Frühgeburt hattest. Erfragt wird auch, ob es Schwierigkeiten bei einer vorangegangenen Entbindung oder im Wochenbett gab. Weitere Fragen auf der Liste betreffen psychische Probleme und soziale Belastungen. Auch diese Faktoren können den Verlauf deiner Schwangerschaft beeinflussen.

Einschätzung einer Risikoschwangerschaft

Es ist wichtig, dass du auf alle Fragen ehrlich antwortest. Wenn einer der 26 abgefragten Punkte zutrifft, wird deine Schwangerschaft entsprechend der MutterschaftsrichtlinienMutterschaftsrichtlinien Die Mutterschaftsrichtlinien regeln die medizinische Versorgung von Schwangeren vor und nach der Geburt. Sie werden von den Expert:innen des sogenannten Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegt. In ihnen werden der Zeitpunkt und die Inhalte der Untersuchungen, Tests, Beratungen, Maßnahmen, Aufzeichnungen und Bescheinigungen der Schwangeren durch Ärzt:innen und Hebammen festgehalten. als Risikoschwangerschaft eingestuft. Das ist aber nichts Schlimmes oder Ungewöhnliches. Viele Schwangerschaften fallen theoretisch in diese Kategorie. In der Praxis ist es aber so, dass dein:e Frauenärzt:in und deine Hebamme diese Entscheidung sehr genau abwägen. Sie können deinen Gesundheitszustand im Gesamten einschätzen und beraten sich im Zweifelsfall mit anderen Personen, die dich medizinisch betreuen. Mit einer Einordnung als Risikoschwangerschaft ist vor allem eine besonders aufmerksame Vorsorge und Behandlung verbunden. Sie ist auch wichtig für die Wahl deines Entbindungsortes.

Wichtige Fachbegriffe aus der Anamnese

  • AdipositasAdipositas Adipositas ist der medizinische Fachbegriff für starkes Übergewicht. Von Adipositas spricht man, wenn das Übergewicht einer Person eine Form annimmt, die verschiedene gesundheitliche Probleme und eine eingeschränkte Lebensqualität bedeutet. Durch eine gute Ernährung und genügend Bewegung kann Übergewicht verhindert oder abgebaut werden.: Übergewicht

  • Diabetes mellitusDiabetes mellitus Diabetes mellitus ist der medizinische Fachbegriff für eine Zuckerkrankheit. Das ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist, wodurch die Funktion der Organe beeinträchtigt werden kann. Eine Zuckerkrankheit zeigt sich unter anderem durch starken Durst, häufiges Wasserlassen, Schwäche und Müdigkeit. Die Krankheit kann durch eine Insulintherapie, körperliche Aktivität und Nahrungsumstellung gut behandelt werden.: Blutzuckerkrankheit

  • HypertonieHypertonie Hypertonie ist der medizinische Fachbegriff für Bluthochdruck. Ein erhöhter Blutdruck kann verschiedene Ursachen haben. Übergewicht, zu viel Alkohol oder Salz und zu wenig Bewegung können Bluthochdruck begünstigen. Ist der Blutdruck dauerhaft erhöht, kann dies zu Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Nierenschäden führen.: Bluthochdruck

  • MangelgeburtMangelgeburt Als Mangelgeburt wird eine Geburt bezeichnet, bei der das Neugeborene nach Anbruch der 38. Schwangerschaftswoche geboren wird und eine geringe Größe oder Gewicht vorweist. Der Konsum von Drogen, Tabak oder Alkohol in der Schwangerschaft oder eine Erkrankung der Mutter kann eine Mangelgeburt hervorrufen. Die meisten Mangelgeburten entwickeln sich jedoch normal.: Geringes Geburtsgewicht oder zu geringe Größe des Kindes

  • Komplikationen post partumKomplikationen post partum Komplikationen post partum ist der medizinische Fachbegriff für alle Komplikationen, die nach der Geburt auftreten. Diese Komplikationen können unterschiedlichste Gründe haben. Neben Infektionen, Entzündungen oder zu starken Nachblutungen zählt beispielsweise auch die Wochenbettdepression zu den Komplikationen nach der Geburt.: Besonderheiten und Erkrankungen nach der Geburt

  • Rhesus-InkompatibilitätRhesus-Unverträglichkeit Eine Rhesus-Unverträglichkeit liegt vor, wenn die Blutgruppen von zwei Menschen nicht miteinander vereinbar sind. Der Rhesusfaktor ist Teil des Blutgruppensystems, durch das sich Blutgruppen unterscheiden lassen. Bei Bluttransfusionen oder bei einer Schwangerschaft kann es zu einer solchen Unverträglichkeit kommen. Im seltenen Fall des Übertritts von Blut des ungeborenen Kindes zur Mutter kann es zu Komplikationen kommen und die Gabe von Medikamenten notwendig sein.: Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind

  • SectioSectio Sectio ist der medizinische Fachausdruck für einen Kaiserschnitt. Beim Kaiserschnitt wird die Bauchdecke und die Gebärmutter durch einen Schnitt geöffnet und das Baby durch diese Öffnung geholt. Ein Kaiserschnitt hat unterschiedliche Gründe und es wird zwischen primärer und sekundärer Sectio unterschieden. Eine primäre Sectio wird auf Wunsch der Eltern oder aufgrund einer ärztlichen Einschätzung vor dem eigentlichen Beginn der Geburt durchgeführt. Eine sekundäre Sectio wird durchgeführt, wenn die Geburt bereits begonnen hat und Komplikationen während der Geburt auftreten.: Kaiserschnitt

  • SkelettanomalieSkelettanomalie Skelettanomalie ist der medizinische Fachbegriff für alle Fehlbildungen am Skelett, also dem Knochenbau des Menschen. Im Mutterpass werden gegebenenfalls Fehlbildungen der Mutter eingetragen, die einen Einfluss auf den Geburtsvorgang haben können. Das könnte zum Beispiel ein ungewöhnlich kleines Becken sein.: Der Körperbau entspricht nicht der üblichen Norm

  • SterilitätsbehandlungSterilitätsbehandlung Die Sterilitätsbehandlung ist der medizinische Fachbegriff für Behandlungen, die eine positive Auswirkung auf die Möglichkeit einer Schwangerschaft einer Frau mit Kinderwunsch haben können. Hierzu gehören Hormonbehandlungen und die Ermittlung des optimalen Zeitpunktes für eine Befruchtung. Auch die Samenübertragung in den Gebärmutterhals, die Gebärmutter oder den Eileiter und die künstliche Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers der Mutter sind Sterilitätsbehandlungen. Im Mutterpass werden solche Behandlungen notiert. Diese Schwangerschaften gelten als Risikoschwangerschaften und können unter Umständen eine engmaschigere Kontrolle zur Folge haben.: Medizinische Behandlung einer Fruchtbarkeitsstörung bei dir oder deinem Partner

  • ThromboseThrombose Thrombose ist der medizinische Fachausdruck für die Bildung eines Blutgerinnsels, einer Verstopfung, innerhalb eines Blutgefäßes. Bei Thrombosen am Herzen, im Gehirn oder der Lunge besteht akute Lebensgefahr. Thrombosen in den Beinen oder Armen können Schmerzen, Schwellungen und eine verstärkte Sichtbarkeit der Venen verursachen. Insbesondere in den letzten Schwangerschaftsmonaten besteht ein erhöhtes Thromboserisiko im Bauch, im Becken und in den Beinen. Thrombosen können mit Kompressionen, Medikamenten oder operativ behandelt werden.: Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel

  • UterusoperationUterusoperation Uterusoperation ist der medizinische Fachbegriff für alle Operationen, die am Uterus, also der Gebärmutter, durchgeführt werden. Hierzu gehören unter anderem der Kaiserschnitt, die Ausschabung, die Sterilisation oder die Entfernung von Tumoren. Die entsprechende Angabe im Mutterpass soll dem medizinischen Fachpersonal dabei helfen abzuschätzen, welche Risiken bei der Schwangerschaft oder der Geburt auftreten können.: operativer Eingriff an der Gebärmutter

  • ZNSZentralnervensystem Das Zentralnervensystem besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Über dieses System werden alle Wahrnehmungen, alles Denken, Fühlen, Erinnern und alle bewussten Bewegungen des Menschen gesteuert, verarbeitet und weitergegeben. Das Zentralnervensystem wird häufig mit ZNS abgekürzt.: Zentrales Nervensystem